
Mit dieser Haltung und Botschaft habe ich mich im Juli um einen Platz in der Wechselwähler-WG beworben.
Aber was ist nun aus diesem Kontaktgesuch geworden? Um es vorweg zu nehmen: die Partei fürs Leben habe ich nicht gefunden, genau genommen noch nicht mal die Partei für den Wahlabend.
Die Wechselwähler-WG somit vertane Zeit? Mitnichten. Ursprünglich aus dem Tigerentenland kommend, haben Eva Högl und Cem Özdemir, aber vor allem meine eher linkssozialisierten Mitbewohner meine ohnehin vorhandenen Zweifel, ob schwarz-gelb als meine politische Heimat taugt bestärkt. Und so habe ich im politischen Dschungel Deutschlands sechs Wochen lang nach Antworten gesucht, wen ich denn ruhigen Gewissens wählen kann oder soll.
Fünf Parteiprogramme, eine Wahlparty, ein Wahlkampfauftakt, fünf (bzw. für mich eher vier) Sonntagsrunden und unzählige Gespräche später, hatten wir plötzlich den 25. September, den Freitag vor der Bundestagswahl. Durch das Wahlamt der Stadt Köln bestens darüber informiert, bis wann ich in welchem Briefkasten (die mit dem roten Punkt) meine Briefwahlunterlagen einwerfen muss, damit es heißt “Meine Stimme zählt”, saß ich mit pochendem Herzen vor meinem Wahlzettel und habe in Rekordzeit zwei Kreuze gemacht: die Erststimme für die Kandidatin der CDU, die Zweitstimme für die Grünen. Wer jetzt denkt, dass sich Erleichterung in mir breit machte - weit gefehlt. Vielmehr waren es die Überlegungen, ob der Stimmzettel ungültig werden würde, wenn ich mich doch noch anders entschließen sollte.
Womit wir wieder beim Gewissen wären: ein entscheidender Aspekt, den ich aus diesem politischen Sommer mitnehme ist das Gefühl, dass jede der vier Parteien (bei der Linken bin ich mir noch etwas unsicher, inwiefern sie auf Bundesebene pragmatisch genug zum Regieren ist, deswegen klammere ich sie an dieser Stelle mal aus) wählbar ist, und man in keiner Konstellation Angst haben muss, dass Deutschland gegen die Wand gefahren wird. Konkret heißt das, ich habe mich dieses Mal für schwarz-grün entschieden, hielt aber auch rot-gelb für eine reizvolle Wahlalternative. Noch kurz zur Begründung, weshalb schwarz und weshalb grün: Ich wohne in einem Wahlkreis, wo sich die Erststimme zwischen SPD und CDU entscheidet, beide Direktkandidaten besitzen kaum bundespolitisches Profil, so dass der etwas saloppe Begriff Kanzlerwahlverein durchaus seine Berechtigung hat. Und auch wenn ich mal einen Tag “für Frank” war und dem Deutschlandplan auch einiges abgewinnen konnte, halte ich Frau Merkel für die bessere Besetzung dieser Position, demzufolge CDU. Etwas müde und gelangweilt von den ewigen Steuersenkungsversprechen der FDP, ab und an mal von einer besseren Welt träumend, überrascht von dem Konsens in Bereichen wie Bildungspolitik, Sicherheitspolitik und der Stärkung der Bürgerrechte und nachdem der Grün-O-Mat eine immerhin 55 -% Übereinstimmung zwischen mir und der Partei feststellte, war es dann soweit: ich habe in meiner knapp fünfjährigen Wählerkarriere tatsachlich das erste Mal grün gewählt.
Wie bereits zu Beginn erwähnt, ich war nicht überzeugt genug mich nur für eine Parte zu entscheiden und habe mich deswegen zu einem Stimmensplitting entschlossen. Und so bin ich weiterhin eine Suchende; und hätte das Leben einen Soundtrack müsste auf meinem zumindest ein Titel für das unsägliche “I still haven’t found what I’m looking for” von U2 reserviert werden.
Tja, noch 7 Monate bis zur NRW-Landtagswahl, wenn es dann wieder heißt “Weiblich, ledig, jung sucht…“.
PS: Ich danke der Academy…
Danksagungen sind in meinen Augen eine sehr persönliche Angelegenheit, gleichzeitig möchte ich aber auch nicht darauf an dieser Stelle verzichten, deswegen fasse ich mich hier mal sehr kurz: Bedanken möchte ich mich bei den Netzdemokraten für dieses klasse Projekt und das Engagement, das ihr reingesteckt habt, bei meinen WG-Mitbewohnern für die interessanten Gespräche und Perspektivenwechsel und auch für eine großartige Zeit. Und nicht zuletzt geht mein Dank an alle Diskussionswilligen, Leser und Gruschler, die mich während der vergangenen Wochen begleitet haben.
DANKE!
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Update: Der Link ist repariert/freigeschaltet, Danke für die Hinweise.
Heute waren Ewa und Tobias zu Gast in der Sendung Trackback auf Radio Fritz. Im Gespräch mit Marcus Richter lassen die beiden das Projekt Revue passieren und geben eine Wahlempfehlung: Geh hin!
Behind the Scenes auf Flickr:
Der 27. September, als ich mich Ende Juni um einen Platz in der Wechselwähler-WG bewarb, lag noch ein ganzer Sommer dazwischen. Jetzt sind es nur noch 6 Stunden bis zur 1. Hochrechnung.
Zeit zurückzublicken. Diesmal auf den Wahlkampfauftakt der SPD in Hannover. In meinen Augen lief das ganze unter dem Motto “Bilder statt Inhalte”, es ging vor allem um Einstimmung und Atmosphäre und weniger um das Parteiprogramm. Meine Impressionen der Veranstaltung findet ihr hier.
Piratenwoche in der Wechselwähler-WG. Und nachdem ich letzen Sonntag an unserem WG-Küchentisch über die Damen-Shirts der Piraten hergezogen habe, ist es nun meine Aufgabe das Merchandising der Piratenpartei zu beleuchten.
Letzten Samstag habe ich zum ersten Mal einen Piratenstand gesehen, vier Personen, defintiv unter 30, die aktiv Passanten am Eigelstein ansprachen. Ich war etwas verwundert, dass unter den vier Personen auch eine Frau war-wenn man den Artikeln über die Piraten glauben schenken darf, handelt es sich dabei doch eher um eine Partei, die vor allem für die Ü-18 und U-40 Männer mit besonderer Internetaffinität, interessant . Interessant ist auch das richtige Wort für das T-Shirt der Dame, welches den Aufdruck “Piratenbraut” hat. Piratenbraut das klingt in meinen Ohren nach Anhängsel/Deko: angefangen bei Zahnarztgattinen, weiter mit Spielerfrauen sind es jetzt also Piratenbräute. Ein Meilenstein der Emanzipation.
Dass es neben langweiligen und unispirierten auch gelungene Band-Shirts gibt, unumstritten, aber auf Partei-T-Shirts/-Polos treffen leider nur erstgenannte Punkte zu, zumindest kenne ich nur solche.
Wenn ihr Überzeugungsarbeit leisten wollt- nur zu!
Also weg von den T-Shirts hin zum Gesamtsortiment. Viele der Werbeartikel/-maßnahmen sind noch im Entwurfstatus oder zur Diskussion gestellt. Dies -ebenso wie das Rezept für Sauerteig um das Parteilogo zu backen, finde ich äußerst charmant. Dass CD-Rohlinge, USB-Sticks und Notebook-Folien als durchaus praktische und vor allem passende Werbemittel entdeckt wurden, war nicht anders zu erwarten. Die QR-Codes hingegen fallen für mich unter die Kategorie „Spielerei“ bzw. „Sachen, die die Welt nicht braucht“.
Die Piraten-Partei steckt noch in Kinderschuhen, vieles kann, nichts muss und wer auch immer eine Idee zur Popularitätssteigerung hat, ist herzlich willkommen.
Charmant trifft es.
YouTube - Ewa würfelt doch nicht
Morgen sind Bundestagswahlen - da da da, in diesem Sinne: Geht hin! (oder…)
Vorher in der Wechselwähler WG: Ewa würfelt die Kommunalwahlen
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Rein von meiner Überzeugung und auch dem medial erzeugten Stimmungsbild ist die Frage so offensichtlich mit JA zu beantworten, dass ich um Gegenargumente zu finden mich von einer komplett anderen Richtung der Fragestellung nähern muss:
Wir haben in Deutschland das System der repräsentativen Demokratie.
Representativität hängt -mein Statistik-Prof wurde nicht müde es Woche für Woche zu wiederholen- von der Zufallsauswahl und nicht von der Größe ab. Unabhängigkeit von der Größe ist insoweit verkürzt dargestellt, dass natürlich eine gewisse Mindestgröße notwendig ist um auch eine Zufallsauswahl zu gewährleisten. Aber bezogen auf die Wahlbeteiligung, dürfte diese Mindestgröße sowohl bei 20 Mio. als auch bei 40 Mio. Wählern mehr als erreicht sein. Dass es auch hierbei ein -wie auch immer definiertes- Signifikanzniveau geben muss, liegt in der Natur der Sache. Um ein fehlerfreies politisches Meinungsbild zu erhalten, müsste man schon eine Vollerhebung durchführen, die aber zum jetzigen Zeitpunkt allenfalls mit einer Wahlpflicht erreicht werden könnte, diese aber widerspricht meiner Vorstellung von Artikel 2 des Grundgesetzes, also der allgemeinen Handlungsfreiheit.
Eine hohe Wahlbeteiligung ist demnach nicht systemrelevant (haben wir eigentlich schon ein (Un-)Wort des Jahres?).
So weit, so gut - trotzdem versuche ich die Nichtwähler in meinem Freundes- und Bekanntenkreis zum Wählen zu bewegen, weil ich eine hohe Partizipation für ein wichtiges Gut und Ziel einer Demokratie halte.
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„Der kann nichts“, „Die gesamte Homepage zeigt nur Berlin-Pankow und keine Inhalte“ „Letzte Woche der Bundesvorsitzende der Grünen und die CDU schickt uns jetzt nach ewigem Zögern jemanden, der eh keine Chance hat.“ So ungefähr war das Stimmungsbild im ICE zwischen Hannover und Berlin, wo ich auf meine beiden WG-Mitbewohner Eberhard und Paul traf und wir neben dem CDU-Programm 2009-2013 auch über Gottfried Ludewigs Auftritt bei Anne Will diskutierten. Absolute Unvoreingenommenheit also in unserer hochrepräsentativen WG, in der die Grünen noch nicht mal einen Koalitionspartner zum Regieren bräuchten und die CDU -wenn überhaupt- auf einen Quotenmagneten an unserem Kühlschrank kommt.
Und dann kommt Gottfried Ludewig auf seiner Vespa angebraust, trinkt Bionade an unserem Küchentisch und entpuppt sich dabei als unterhaltsamer und sympathischer WG-Gast. Wie so jemand zur CDU passt? Ganz gut. - Und das sollte meiner Ansicht nach bei einer Volkspartei immer die Antwort auf diese Frage sein.
Mit Hilfe von Piktogrammen skizziert er die Bildungslandschaft: Bildung statt Kohlesubventionen. So weit, so gut und einhellige Meinung. Kontrovers wird unsere Diskussionsrunde erst, als es um den vorschulischen Bereich und die bestmögliche Integration geht.
Dass eine Prämie für Eltern, die ihre Kinder zuhause erziehen wollen, die Chancengleichheit und Integration positiv beeinflussen soll, erscheint mir mehr als abwegig. Und auch meine Mitbewohner sind nicht überzeugt. Und so sympathisch und erfrischend die sich anschließende impulsive Diskussion zwischen Gottfried und Tobias auch ist, die Skepsis gegenüber der Integrationspolitik der CDU bleibt.
Die Aussagen von Gottfried zum Thema Steuersenkungen nach der Wahl sind in etwa so präzise definiert wie im Wahlprogramm der CDU, also weder nach Zeit noch nach Quantität, stattdessen die allseits bekannten Schlagworte kalte Progression abbauen und Mittelstand stärken. Finanziert natürlich durch das sich daraus ergebende Wachstum. Naja, eine Aussage wird nicht unbedingt glaubwürdiger je öfter man sie hört.
Tja, was also bleibt von diesem Besuch? Die inhaltlichen Probleme, die ich teilweise mit der CDU habe (Sicherheits- und Integrationspolitik), sind noch immer nicht aus der Welt. Dass die CDU nicht nur aus steifen Konservativen besteht, sondern auch genügend Personal hat, die das Image der Partei entstauben können -so man sie denn lässt- ist auch keine neue Erkenntnis.
Und auch wenn ich diese Woche diejenige war, die den schwarzen Quotenmagneten (Nachwirkungen von der grün-schwarzen Cem-Umnebelung) auf unserer bunten Pizza angebracht hat, bin ich mir jetzt gerade, also nach erfolgter Reflektion, nicht mehr so sicher, ob ich die Sonntagsfrage heute bzw. am Sonntag in der Wahlkabine, auch noch so beantworte.
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Da ich ja leider morgen nicht an der Sonntagsrunde teilnehmen kann, beschäftige ich mich schon mal vorweg mit der CDU.
Mein persönliches Verhältnis zu dieser Partei ist folgendermaßen zu beschreiben: Opa war Bürgermeister- für die CDU. Onkel ist Bürgermeister-für die CDU. Meine (fast) gesamte angeheiratete Familie sind Bayer und- ihr habt’s erraten: CSU Wähler. In diesem Sinne sind die Damen und Herren meiner Welt gar nicht so fern. Ganz ehrlich, ich war als Kind immer mächtig stolz Bürgermeister in der Familie zu haben. Und da das meines Erachtens gute Menschen sind und waren, konnte ich auch gar nicht so recht verstehen, warum meine Eltern die so doof finden (also die CDU meine ich).
Was macht die CDU für mich aus? Na, dass sie eben CHRIST Demokraten sind. Ich bin zwar keine explizit Religion ausführende Person, aber dennoch ist die christlich abendländische Kultur meine Kultur. Und ich finde, wenn man mal von fatalistischen, missionarischen Kapiteln der Geschichte absieht, sind die Werte dieser Kultur keine Schlechten. In Sinne von “liebe deinen nächsten wie dich selbst”, “wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein” etc. Die CDU ist für mich wie Oma und Opa: Tradition, Heimatgefühl, Pfannkuchen mit Apfelmus.
Ich habe mir also das Wahlprogramm vorgenommen und wurde erst mal überrascht. Seite 1-7 der Kurzfassung klang für mich richtig gut. Es wurde so ziemlich jedes Thema angesprochen, dass ich mir vorstellen kann und alles klang vernünftig. Ich wurde richtig aufgeregt- bin ich etwa schwarz? Während ich las, huschte mein Mann an mir vorbei. Ich: “du, ich lese gerade das Parteiprogramm der CDU, ich finde das richtig gut!” Die linke Augenbraue meines Mannes machte einen interessant, hohen Bogen Richtung Haaransatz: “echt???”. “Ja, ja, hier guck mal”. Und ich las weiter. Nee, Moment mal, ab Seite 8 wird es finster. Das Konzept Bürgerarbeit. Ein Graus für jeden Freischaffenden, weil es im Grunde genommen Zwangsmaßnahmen in einen Job, den man mit Sicherheit nicht will, bedeuten würde (man muss dazu sagen, dass man auch wenn man keine Gelder bezieht “Arbeitssuchend” gemeldet sein muss, denn sonst nix Rente später). Also zwei Monate keine Dreharbeiten und ab in die Bürgerarbeit. Das kann ich nicht gutheißen. Nächster Negativpunkt: Einsatz der Bundeswehr auch im Inneren unter bestimmten Umständen. Da bin ich gegen, weil A) wir haben eine Polizei. B) Welche Umstände sollen das sein? Terrorbekämpfung? Das ist mir zu vage. Ich hoffe sehr, dass wir keinen Krieg vor der Haustür erleben müssen, und ein anderer Grund für die Bundeswehr im Inneren fällt mir nicht ein. Dritter Punkt, der auf mein Missfallen traf: Das Ausweisungsrecht vereinfachen. Selbst die CDU sagt, dass Deutschland ein Immigrationsland ist. Also entweder, man akzeptiert dies und versucht Wege zu finden Ausländer schneller und besser zu integrieren, oder man akzeptiert dies nicht, aber dann nützt ein einfacheres Ausweisungsrecht auch nur bedingt. Menschen die in diesem Land leben, sollten die Möglichkeit haben zu arbeiten und sich zu integrieren. Als Sozialhilfeempfänger bringen sie uns nichts, und für die betroffenen Menschen ist das auch kein zufriedenstellender Zustand. Ich habe schon von Fällen gehört, wo Kinder ohne Eltern ausgewiesen wurden, und das ist etwas was ich absolut falsch finde. Also im Gegenteil: Einbürgerung vereinfachen!
Trotzdem hänge ich an der alten Dame CDU. Und vielleicht, eines Tages, gibt es Änderungen an den mich störenden Punkten. Und dann esse ich Pfannkuchen mit Apfelmus, höre Schlager im Radio, und fühle mich so richtig sicher. Amen.
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Mit dieser Freitagsfrage tue ich mich etwas schwer. Ich gehöre zu den Menschen weiblichen Wesen bei denen das Angstgefühl vergleichsweise schwach ausgeprägt ist. Fußweg allein nach Hause? -hey, ich wohn zentral und in einer guten Gegend, kein Problem und kein Taxi notwendig, nachts allein U-Bahn fahren? auch kein Ding am Wochenende sind die U-Bahnen bunt gefüllt und während der Woche stellen die Kölner Verkehrsbetriebe kurz vor zwei Uhr sowieso ihren Dienst ein, bliebe noch die S-Bahn… und genau da bekomme ich ein flaues Gefühl.
Genauer gesagt handelt es sich nur um eine Linie, die ich -mittlerweile nach Möglichkeit versuche zu meiden: die S 6. Die S 6 verbindet den Ruhrpott, genauer gesagt Essen, mit Köln und der größte Teil der Strecke führt durch das schicke Düsseldorf. Was also ist das Problem mit der S 6? Zunächst mal sind es die ranzigsten Bahnen, die die DB in ihrem Bestand hat, also ich spreche von den asbach-uralten orangefarbenen S-Bahn-Wagen mit den brauen Kunstledersitzen und den Türen, die man mittels manuellem Türöffner versuchen muss rechtzeitig zu öffnen, die immer nur auf dieser Strecke eingesetzt werden. Das hat ja einen Retro-Charme könnte man jetzt einwenden, könnte man. Tut aber keiner, der jemals damit fuhr. Aber beschmierte Kunstledersitze und verdreckte Scheiben sind noch lange kein Grund für mehr Polizeipräsenz zu plädieren.
Tja, was also sorgt für mein flaues Gefühl? Es ist die Tatsache, dass es sein kann, dass man alleine offensichtlich psychisch Gestörten gegenüber sitzt und quasi dazu verdonnert ist, Sachen mitzubekommen, die man a) nicht mitbekommen will und die b) nach StGB strafbar sind.
Ohne näher auf die Episoden in der S 6 eingehen zu wollen, kann ich zusammenfassend sagen, dass ich zweimal kurz davor stand Anzeige gegen Unbekannt zu erstatten und mir in diesen Situationen Sicherheits- oder Polizeikräfte mehr als gewünscht hätte.
Vom Grundsatz her möchte ich aber nicht an jeder Ecke und in jeder Bahn einen Polizisten da haben. Auf dem Weg zu unserer Sonntagsrunde in der Tucholsky-Straße komme ich immer an einem jüdischen Café vorbei. Und jedes Mal stimmt es mich traurig, dass es abgeriegelt ist und dass zwei Polizeikräfte davor stehen. Ob das notwendig ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Was ich jedoch weiß, ist, dass ich dieses Bild nicht zur Normalität in Deutschlands Straßen erklären will. Vom Einsatz flächendeckender Überwachungskameras für die innere Sicherheit ganz zu schweigen.
Bleibt also die Frage, wie man das individuelle Sicherheitsgefühl (wieder-) herstellen kann, denn ich glaube, um nichts anderes geht es bei der Frage. Offen gestanden habe ich darauf aber keine allgemein gültige Antwort.
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Wie wars in Berlin? Diese Frage bekomme ich seit ein paar Wochen jeden Montag aufs Neue von meinen Kollegen gestellt. Was dann folgt ist eine kurze Berichterstattung, die mal mehr und mal weniger sarkastisch ausfällt.
Und während ich von Käsespätzle mit Cem, seinen politischen Ansichten, dem Umgang mit unseren provokanten WG-Bewerbungs-Fragen und auch seiner Haltung zum Ramadan erzähle, möchte ein Teil von mir zeitgleich eine Vermisstenanzeige aufgeben.
Vermisst wird: der bissige Unterton.
Wenn auch nicht immer 100&-ig überzeugt (Stellenwert und Umsetzung der Energiepolitik), kann sich der Idealist in mir den grünen Ideen -oder wäre Utopie der treffendere Ausdruck?- nicht ganz verwehren. Die realistische und pragmatische Einstellung, die Cem Özdemir zeigt, wenn es um die konkrete Umsetzung geht, lässt von manche Einwände bereits im Ansatz verpuffen.
Die Eloquenz und die Gelassenheit mit denen er den übrigen (Nach-)Fragen begegnet, machen deutlich, hier ist ein Profi am Werk .
Tja, was bleibt?
Mit Cem haben die Grünen einen Bundesvorsitzenden, der bedingt durch seine Vita (Migrationshintergrund, Sozialpädagoge statt des sonst in der Politik verbreiteten Juristen, 2. Bildungsweg etc.) nicht nur zu den Schwerpunktthemen der Politik -berufsbedingt- eine Meinung hat, sondern dabei auch noch authentisch rüber kommt.
Was dagegen fehlt sind die Aussagen, an die man sich nach dem Gespräch noch gut erinnert und die nicht so beliebig klingen wie das Wahlprogramm.
Deswegen teile ich Pauls Wunsch nach etwas mehr individueller Linie statt Grünenparteiprogramm.
Noch nicht ganz aus dem Weichspüler-Seifenblasen-Wir-tun-keinem-weh-Paradies erwacht, weiß ich jetzt zumindest, weshalb meiner Kurzfassung von heute morgen die gewohnte Schärfe fehlte.
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